gerade heute morgen , wieder eine brechend volle u-bahn, fiel mein blick auf die kleinen monitore, die werbung und nachrichten still aber ziemlich beharrlich in die menge streuen.
da lese ich plötzlich : war game. Leise erinnerte ich mich eines films, ala hollywood…. Ist schon lange her… nun ja, ich dachte, am 8. februar beginnen die filmfestspiele, vielleicht ist das einen retrospektive-ankündigung…. Nein. Weit gefehlt! Es war eine anwerbung der us-army für statisten! Da sucht doch tatsächlich die us-army leute, die als statisten den terroristen geben oder den polizisten oder als opfer eines fiktiven anschlages herhalten . als ob es nicht schon genug kriegsspiele gäbe in form von video und animation… aber es erschliesst sich mir eh nicht vieles, was mit waffengewalt zu tun hat.
der nächste spot aber hatte es in sich. ein jugendlicher macht sich abends ausgehfertig…. nein nein, nicht zur disco , sondern mit vermummender maske und spraydosen im handgepäck zog er auf piste, um seinem drang des vandalismus zu frönen…. die gutbürgerlichen eltern standen ratlos daneben, in ihrer nett eingerichteten wohnung , so auch das zimmer des aufmüpfigen jungen, sauber, ordentlich und wohnlich.
doch der spott wäre nicht ein spott, wenn er so enden würde. kaum war der rabauke ausser haus , demolierten die eltern das zimmer ihres sprösslings, hauten alles kurz und klein, besprühten die wände mit parolen und setzten sich danach zufrieden in ihre ohrensessel und erfreuten sich des wohlverdienten feierabends.
na ja, das blöde gesicht des sohnes kann sich wohl jeder vorstellen! als der nach hause kam und sein zimmer nämlich genau so vorfand, wie er draussen mit dem eigentum andere verfuhr. ein inneres lachen, ok schadenfroh aber ehrlich, durchfuhr mich bei diesem spott….
spot drei der morgendlichen berieselung suggeriert mir „going underground“- … und hilft mir dabei diese kleine geschichte abzuschliessen.
denn „going underground“ ist tatsächlich ein titel , den man den filmfestspielen zuordnen kann. diese worte aber umschreiben ja eine tatigkeit, etwas , was uns geläufig ist als „untertauchen“ – obwohl hier die u-bahn gemeint ist, die während der filmfestspiele wettbewerbsfilme sprich kurzfilme ausstrahlt .
ich musste innerlich einfach nur noch die fäden zusammenknüpfen, die sich zwischen der virtuellen welt des www , und der realen welt der berliner-u-bahn und der suggerierten welt des films vor mir lagen. Wieder einmal bestätigt sich , das alles irgendwie miteinander zu tun hat. oder besser, man kann alles miteinander verknüpfen, wenn man die augen offenhält… war game … ist kriegsspiel, vandalismus ist eine art von einem kleinen kriegsspiel mit ebenfalls verherrender wirkung … und kann man auch mit anderen dingen auf kriegsfuss stehen? sicherlich – und wenn ich mit manch alltäglichen auf kriegsfuss stehe, fliegen schon mal unkontrolliert worte wie kleine kugeln durch den kopf.
going-underground kann man auch ganz anders übersetzen; es ist eine art , sich zu verstecken , zu verbergen…. verstecken und verbergen hat man eigentlich nur nötig, wenn man sich einer nicht angemessenen unrichtigen handlungsweise ganz und gar bewusst ist…
denn : kriegsspiele erfordern eine strategie. ähnlich wie bei den spielen, die harmloserer art sind, wie mensch ärgere dich nicht oder halma, schach oder go…meinetwegen auch kartenspiele oder auch galgenraten. doch halt…. galgenraten ist ein spiel , da muss man worte kennen, da muss man worte buchstabieren können, man muss worte erraten können. man muss mit worten umgehen können. aber mit worten und sprache jonglieren, das erfordert eine andere strategie….
worte , die missbraucht werden können auch zu geschossen mutieren.
so eine art verbaler vandalismus. Ein schrecklicher gedanke, von diesem vandalismus erfasst zu werden…
das möchte ich eigentlich nicht, den ich liebe meine sprache.
morgens in der u-bahn- zwischen 8:30 und 9:10 uhr
August 27, 2007
warGAME going underground
der tanz in der UHR – ein augenblick
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Morgenstimmung wie in Peer Gynt. Wellengeplätscher, Rauschen. Der Duft vom nordischen Meer…. Alles Täuschung, alles nur Phantasie. Die dunkelblaue Seife mit der Duftbrise von Wasser und Wind landet in der Seifenschale. Die Dusche rauscht an meinem Ohr vorbei und die Pfütze am Boden wird zum Ozean. Herrlich! Im Radio erzählt man den gutgläubigen Hörern von Sonne und Wärme. Wunderbar. Der Tag kann kommen.
Der Tag hat 24 Stunden. 24 Stunden für ganz viel Glück.
Knallbunte Schuhe ….leichtfüßig springe ich zum Bäcker, iyi sabatlar, ikitane simit istiyorum. Tesekkürler… die Treppe hinunter, in die U-Bahn hinein. Ihr ahnt sicher schon
etwas; denn wenn ich U-Bahn fahre, scheint es oft so, als fahren die schönen, glücklichen Momente immer als unsichtbare Fahrgäste mit. So ist es auch. Egal, wie viele Leute da stehen und schwatzen, sich drängeln oder schubsen… zwischen all den Bewegungen gibt es die Momente von Ruhe und Stille. An den Stationen treffen Welten aufeinander. Wenn die Türen sich öffnen, riecht es manchmal nach Laugengebäck, nach Curry, nach frischen Schokoladencroissants oder nach dem Kaffee to go … Jede Station ist ein neuer Kontinent mit einer ganz eigenen Flagge; so nenne ich die großen Reklamekästen, die beleuchtet sind und Nordseestrände als weiße Karibik oder Thüringer Landschaften als norwegische Einöde verkaufen. Flatternde bunte Gewänder um knackig-braune Mädchenkörper – das Land der Sonnen liegt gleich um die Ecke…
Heute habe ich einen neuen Kontinent entdeckt. Mit einer ganz besonderen Flagge. Im rechteckigen Blau sehe ich eine große runde Uhr, hell erleuchtet lädt sie mich ein, der Zeit meine Aufmerksamkeit zu widmen. Eine grazile Schönheit tanzt – eingerahmt in das Uhrenrund. Ihre schlanken Arme und Beine sind Stunden –und Minutenzeiger. Wie witzig! Ich muss innerlich lächeln. Diese Bild passt zu der Morgenstimmung eines erwachenden Berlin.
Der Tanz in der Uhr, der Tanz in der Zeit. Das hat schon etwas Wahres. Können wir die Zeit voraussagen, in der uns zum Tanzen zumute ist? Lassen wir uns auf die Unendlichkeit ein? Möchten wir die Zeit anhalten, uns an sie klammern, oder gar in ihr versinken? Wiegen wir uns in Momenten des Glücks tatsächlich so anmutig und lehnen uns zurück, um mit dem Rücken Halt zu finden an einem Uhrengehäuse… Können wir uns dem Vergnügen des zeitlosen Schwebens wirklich so hingeben wie diese Tänzerin, die verspricht, ihren lockenden Tanz in einem der Berliner Theater vorzuführen.
Der Kontinent der Zeitlosigkeit, der Ewigkeit, der Kontinent in meiner Phantasie – ich kann ihn nur Sekunden besuchen. Die U-Bahntür schließt sich wieder und mein sehnsuchtsvoller Blick hängt an dieser Fotomontage fest. Die Zeit ist nicht messbar. Also sind auch die Momente nicht messbar. Zeit ist trotz ihrer Rastlosigkeit beständig und immer, also ist auch immer Zeit für glückliche Momente.
Immer wieder holt mich die Welt außerhalb aller begrifflichen Möglichkeiten ein. Diese visuellen Länder, Kontinente, Zeitbegriffe und Momentaufnahmen sind Nahrung für mein Lächeln. Ich brauche diese subtilen Berührungen, Wahrnehmungen. Sie sind die Fahrkarten zu meiner Gefühlswelt. Adieu , unbekannte Tänzerin !
Mein Blick sucht sich, wie alle Reisenden beim Abschied ein Ziel, wo er sich
Verfangen kann, wo er sich verhaften kann, um erst dann wieder aufzuschauen, wenn das Gewesene in der Ferne entschwunden ist.
Über meinem Kopf wechseln die Bilder auf dem doppelten Info-Bildschirm der U-Bahn. Bücherwelten, Theaterwelten, NEWS … Und plötzlich zwei leere weiße Bildschirme , für Sekunden blank von jeder Suggestion. Auf dem rechten Bildschirm flackert es und eine Buchstabenzeile erscheint „Wo bist Du?“ und mit kurzer Verzögerung flackert der andere Bildschirm auf „ Ich bin hier!“…Hin und her geht dieses kleine Fragespiel, was sich die BVG ausgedacht hatte . Und die letze Frage „wo finde ich Dich?“ war für mich schon wieder wie eine Freifahrkarte in ein anderes Universum , denn da stand : “ Hier! im Augenblick „
Diese Welt ist wunderbar verrückt. Man muss es nur sehen , und gerne in ihr zu Gast sein wollen .
ps: der „Augenblick “ so heisst die virtuelle Infotafel der Berliner Verkehrsbetriebe.
Die große Liebe
Letzte Woche in der U-Bahn. Eine Kindergartengruppe von 5- 6 Jährigen nahm den ganzen Waggon in Beschlag. Schnatternd und lärmend erzählten sich die Kinder über Sitzbänke hinweg die Erlebnisse ihres Ausfluges. Sie waren im Zoo und nun ging es wieder zurück zum Kindergarten, irgendwo mitten in Kreuzberg, in den Dschungel alter Gründerzeitbauten, dichtbesiedelter Stadtteile und lärmender Strassenzüge …Neben mir auf der Dreierbank saß rechterhand eine junge Frau und linkerhand quetschten sich noch schnell zwei Kinder mit bunten Rucksäcken auf den verbliebenen Platz… so kleine Menschen passen da gerade noch rein! Trotzdem „hingen“ beide, der kleine Junge und das kleine Mädchen , irgendwie nur halb auf dem Sitz. Die Rucksäcke beider Kinder und die Enge auf der Sitzbank verhinderte ein gemütliches Anlehnen ….obwohl die junge Frau und ich etwas enger zusammenrückten , damit für uns alle Platz wurde. Trotzdem rutschte das kleine Mädchen ständig auf dem glatten Plastikbezug des Sitzes nach vorn und konnte sich als ein Leichtgewicht sich nicht so richtig am Sitz festhalten und versuchte irgendwie wieder nach hinten zu rutschen. Während der Fahrt plauderten die beiden Dreikäsehochs und immer, wenn die Kleine nach vorn rutschte , versuchte der Junge sie festzuhalten und wieder vorsichtig und liebevoll auf den Sitz zurückzuziehen, damit sie nicht beim Anfahren und Stoppen der U-Bahn runter auf den Gang fallen konnte. Vier Haltestellen später, beim intensiven Plaudern über den leckersten Lolly und das lustigste Tier im Zoo, über den Ärger mit der kleinen Schwester und den Zwilligsbruder wurde das Mädchen müde und lehnte sich mit ihrem Kopf auf die Schulter des Jungen. Aus dem Augenwinkel betrachtete ich die beiden amüsiert. Die Gespräche der Beiden klangen so vertraut; das ich gar nicht anders konnte, als die beiden zu belauschen. Der U-Bahn – Zug ruckelte wieder an. Wieder rutschte das Mädchen nach vorn, wieder zog der Junge sie zurück auf den Sitz, wieder versuchte das Mädchen sich an seiner Schulter auszuruhen aber besann sich dann doch eines Besseren und legte ihren Rucksack auf seinen Schoß und darauf ihren Kopf . Behutsam beugte sich der Junge zu ihr runter und sagte leise zu ihr: das geht aber nicht, das ist nicht gut so… Warum, flüsterte sie zurück. Wieder beugte er sich hinunter und sagte noch leiser: mach das lieber nicht , dann weiß doch jeder, das ich dich liebe…
PS : Die U-Bahn hielt, die Kinder stiegen aus . Leute stiegen ein …In einer Ecke stand nun ein Pärchen, das sich wild knutschte und und der Mann die Hände gar nicht bei sich halten konnte. Ich musste leise lachen…Der 6-Jährige war wirklich der Klügere von beiden! Die große Liebe ist unsichtbar und die posaunt man eben nicht einfach so aus….