Silkandpaper

April 24, 2008

ABschied

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dielenboden-mein-zimmer.jpg

Es müsste immer jemanden geben, der sich erinnert…
Dann, wenn der Spiegel blind geworden ist,
und wenn aus dem gläsernen Schweigen heraus
sogar der Name vergessen sein wird.

Es scheint, als lösche jede Träne ein Jahr meines Lebens aus;
Deshalb weine ich schon lange nicht mehr.
Doch auch dann lebe ich nicht länger oder besser-
Nur trage ich mein Gesicht seitdem etwas höher …

Ob jene versiegten Tränen schuld daran haben,
daß alles Leben verwittert zu einer Statue aus Basalt
weiß ich nicht… doch auch steter Tropfen höhlt den Stein
und versickert irgendwann, wenn seine Zeit vorüber ist.

Deshalb sollte sich immer jemand besinnen, wie es aussah,
das unbekannte Gesicht ,welches man Sonntags ausführte
und das doch keinen fand, der es mitnahm
in sein schon längst zerfallenes Haus.

September 8, 2007

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 3:40

wald-hinterzarten.jpg
zerflossen im sein…
diese umrisse eines verschenkten sommers
der sich noch einmal aufbäumt.
grünschattig ruft der verwaschene himmel
nach einem opfer
für jeden regentropfen, und…
im herbst wird die erwartung
ein bedeutungssplitter
für zukünftige erinnerungen

 

seltsam, dieses warten auf die leere
eines feldes ohne früchte…
da , wo der wind
das gespeicherte licht hinwegträgt
in den schatten kühler nächte…
dorthin wo dann
dein abwesender mund mir
jene lichtblitze offenbart, die der sommer
über den wäldern verloren hatte

 


.

September 5, 2007

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:47

wald-hinterzarten.jpg

 

 

nachts
wenn das hinausgezögerte sein
mit mir nach hause fährt

 

und sich auch an der haustür
nicht trennen kann und
meine hand ergreift

 

nachts
wenn die tür ins schloss fällt
und ich vergebens warte

 

das jemand mir ein glas reicht
zum willkommen im haus
mit den 7 türen

 

nachts
wenn die zeiger rückwärts gehen
und ich ihnen nicht folgen kann

 

weil die seele in den zwischenräumen
verweilen möchte
für nur einen traum

 

nachts
wenn das hinausgezögerte sein
mir in den schlaf folgt

 

und sich als traum verkleidet
neben mir ausbreitet und dabei
leise lacht

 

nachts
wenn der schatten die laterna magica
wieder zum leben erweckt

 

und ich zu den klängen der spieluhr
noch immer tanzen kann
und staunen

 

nachts
wenn aus der dunkelheit heraus
die worte gewichtig werden

 

und ich mich fragen muss wer dort
am anderen ort die antworten weiss
auf alle rätsel

 

nachts
wenn der tag sein geschwisterrecht
streitig macht und rot aufglüht

 

da sitze ich im raum der räume
und frage mich immer noch
nach meinem Ich.

September 1, 2007

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:05

meine-hand.jpg

 

DIE VERTRAUTEN DINGE SIND DIE DIR NÄCHSTEN
UND SIE VERWIRREN UND SCHMERZEN
UND FÜGEN DIR ZU
DAS DIR DIE SEELE ZERSPRINGT

 

SICH LOSLÖSEN UND ENTFERNEN
UND SICH DEM NÄHERN
WAS FERN IST
DAMIT DAS VERTRAUTE DIR NICHT
MEHR FREMD BLEIBT.

 

 

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 10:37

gesicht-mexico.jpg

 

ich werde für dich unauffindbar sein
so wie das land , was einst im meer versank
und reife felder mit sich riss

 

kornähren, in denen die erinnerung
des lebens gespeichert
jenen tontopf zieren, der im haus

 

des sonntäglichen bestaunens sich herzeigt
als relikt der zeitlosen schönheit
mit dem dunklen klang

 

hörende spüren ihm nach, diesem ton
der geschichten erzählt
von den wanderungen durch das meer

 

welches durchschnitten von stolzen schiffen
diesen verletzungen nachgab
und laut grollte und alles verschlang

 

noch immer hören wir ein fernes leuten
und die schiffe graben im grund
nach der ausgelöschten zeit und einem

 

zersplitterten krug, um dieses gefäss
mit der trauer zu füllen für all die namenlosen
schönen, die ihre liebe verloren

 

in einer einzigen stunde …und mit ihr untergingen.
das sollst du wissen, wenn du auf die suche gehst
ich bin das land , das einst im meer versank

 

 

 

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Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 10:32

dielenboden-mein-zimmer.jpg

 

auf den hölzernen schwellen der zeit gehe ich spazieren.
ohne zu spüren durchschreite ich all diese leben
die hier geboren und vollendet wurden.
all ihre ewigkeiten sind eingezeichnet in die ringe der bäume,
die sich hier als knisternde dielen ab und zu überlegen,
ob sie nicht noch einmal ihre äste ausschlagen lassen .

 

nachts flüstern sie und wenn das wetter umschlägt
dann höre ich das holz aufbegehren gegen die zeit .
„laß mich deine schritte spüren“ das zwitschert der alte boden
wenn ich zur tür laufe und der endlosigkeit raum geben will.
nichts ist lautlos. der erste schrei des kindes nicht
und nicht der ruhige abschied, nicht all die jahre entrückter zeit.

 

nachts, wenn sich das universum als traum in mein leben schleicht
werde ich wach. ich erinnere mich an den schrank meiner großmutter
oft erwachte ich als kind unter alten kleidern , mit einem buch im arm.
die geborgenheit , die der geruch des holzes verströmte,
führte mich zu diesem knisternden pfad , zu diesem alten haus.
auf den schwellen der zeit gehe ich spazieren.

 

 

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türkische impressionen III

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 10:11

kaleici-2-jpg.jpg

 

Kaleici/ Altstadt von Antalya

 

Nichts ist vorhanden in meinem Gepäck ; nur ein Bild von Kaleici ,
nur der mannshohe Grashalm , der sich im Mauervorsprung wiegte
findet Erinnerung , wie dieser Vers ,. Erinnerung
die wie einer verborgenen Liebe Unsagbares abringt…

 

Kaum zu atmen wagte ich,
um nicht das Leben mit meinem Hiersein aus diesen Mauern zu trinken…
…wie eine unbezahlte Rechnung
wäre jeder Atemzug für mich…

 

…nicht einen Blick sollte ich
stehlend durch einen Fokus auf diese Häuser werfen
um es später dem Papier anzuvertrauen als
Ablichtung vielgelebter Zeit…

 

…zu berühren wage ich kaum die Steine
und die hölzernen Splitter jener Türen die einst dahinter
Gäste zum Tee luden und nun dem wilden
Feigenbaum Halt für seine Wurzeln geben

 

Die Unberührbarkeit möchte ich nicht vergessen
…so wie auch das Gesicht des Alten , der so gedankenverloren mit einer
Mauer aus unsichtbarer Zeit umgeben
mir gebietet leise davonzugehen

 

Und nicht ein Staubkorn wollte ich
mitnehmen , an meinen Schuhen und mit den bedeutungslosen Schritten
… nicht diesem betagtem Dasein die
schöne ewige Würde nehmen…

 

 

türkische impressionen II

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 10:03

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Istanbul

 

Du ferner Geliebter, dessen Sprache ich nicht kenne.
Du hast von Deinen Ufern aus
ein ätherisches Band ausgeworfen wie ein Lasso
um meine Worte zu fesseln.

 

… jede Silbe buchstabiert sich aus dem Nichts
In eine endlose Kette von Schweigen.
Im Spiegel Dein erstaunter Blick, der sich verfängt
In der Süße der Illusionen.
Unser Dasein schaukelt auf den Wellen.
So weit entfernt. Istanbul.

 

bleistifttasche.jpg

 

Dilini bilmediğim uzaktaki sevgili
Bulunduğun sahilden soyut kurdelerini fırlatıp kelimelerimi zincire vurdun.
Her hece hiçten ortaya çıkıp sonsuz bir sessizlik zinciri oluşturmakta
Hayalin tatlı yönüne kapılarak, aynadaki şaşkın bakışlar
Var oluşumuz dalgaların üzerinde sallanmakta
Bu kadar uzakta.
Istanbul.

 

 

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türkische impressionen

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 9:56

cay.jpg

 

 

Üsküdar in der Dämmerung

 

Tanzender Mond .
Und auf der nackten Mauer träumt der Schmerz.
Tränentau erklimmt im ersten Licht den Himmel.

 

Deine nackten Füße schweben lautlos
über den roten Asphalt.

 

Der Wind legt weich den Morgen auf meine Schulter.
Sein warmer Atem nimmt die Nacht mit in den Tag.

 

 

 

 

 

 

 

Üsküdar ist ein alter Stadtteil von Istanbul

 

 

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 9:48

 

 

wort-los

 

kaleici-dez.jpg

 

Nennbares nennen

 

hieße: Kennzeichnen.

 

Doch Namenloses
geht über das
Erfassbare hinaus.

 

Nach innen

 

 

 

 

 

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