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September 7, 2007

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Reisen- wohin?

 


Seit mehreren Jahren statte ich mir ab und zu selbst einen Besuch ab in meinem Leben . Am Ende des Jahres, aber auch zwischendurch , wenn man die Gepflogenheit hat, einen Kehraus zu machen. Sich selbst aufzuräumen , zu ordnen, zu verstauen , aufzustapeln, zwischen einem gemütlichen Chaos sitzen zu können , mit einem Augenzwinkern seine ungelösten Fälle in die „fremden Hände“ seiner eigenen Detektei zu legen…Wie macht man das , fragen mich die Menschen?
Wie kann man bei sich selbst zu Gast sein? Ist es nicht schon schwer genug, bei sich zu Hause zu sein?
Man muss, um sich als Gast aushalten zu können, sich selbst einmal anders sehen lernen. Man sollte sich das Abenteuer gönnen, auch einmal von aussen an die Tür klopfen. Ein Zwiegespräch führen mit sich, eine eigene Ansprache halten.
Die schönste Gelegenheit sich als Gast sehen zu lernen, ist die einer Reise in ferne Gefilde. Fern, das kann mitunter schon die nächste Stadt sein, in der Dich niemand kennt ,aber wo Du schon mit beschwingteren Schritten mit Deinen Füßen den Asphalt berührst und mit frechem und trotzigen Blicken einer Neugier standhalten kannst, der Du in Deinem eigenen Umfeld möglicherweise mit Abwehr reagierst.
Wer will sich schon in die Karten, oder in den Kochtopf gucken lassen …Hier in der momentanen Ferne kannst Du Dich anders spiegeln , anders sehen, mit Dir fremd sein, um bei Dir selbst wieder ankommen zu können. Noch ferner wäre ein anderes Land, grenzüberschreitend feststellen zu können, das Du Dich mitgenommen hast und trotzdem bereit bist, eine andere zu sein?
Ja , wie ist man Gast bei sich selbst und wie kann ich vermitteln, das ich jetzt ,ausgerechnet jetzt mein eigener Gast bin, das ich jetzt , ausgerechnet jetzt ganz intensiv reflektieren möchte, was ich sehe?
Viele Möglichkeiten tun sich da auf. z.B. das Schreiben- für mich wie die Atemluft ….immer auf Wortreisen…

 

Wortreisen, die erschütterlich tief sein können und plänkelnd oberflächlich … Ich springe beim Schreiben vom Ich zum Du und meine doch Jeden und mich selbst. Ich möchte mich nicht an grammatikalischen Felsen festkrallen und schere aus den Regeln eines Duden manchmal ziemlich dramatisch aus. Grenzwertig fremd sind manche Überlegungen…. Aber halt! Fremd- das ist schon wieder eine neue Reise wert…
Papierreisen. Aufschreiben und bewahren wollen, was sonst flüchtig wäre, das Dahingeträumte und Dahingesagte…Sätze und Absätze trennen fein säuberlich das vermeintlich Wichtige vom Unwichtigen. Punkte , Kommata, Gedankenstriche zeigen dem Leser an, das hier und dort das Leben unfertig ist und vielleicht sogar so bleiben muss- unfertig und wartend. Weil es fliesst und weil es lebt . Weil es sich verändert, Tag für Tag, um doch das Gleiche bleiben zu können.

 

Sichtreisen. Augen, die ringsum schauen und ablichten, was kein Fotoapparat je auf ein Bild bannen könnte. Millionenfach gleiten meine Augenlider über meine Pupillen. Ein Leben lang „fotografiere“ ich die Welt, ohne gebührend erklären zu können , was ich sehe, was ich sah…Jeder Augenaufschlag verlangt einen anderen Fokus, weil in den Sekunden eines Augenblickes sich die Welt verändert hat. Das kennen wir alle. Kinderspiele, Verstecken, die Hände vors Gesicht. Aus dem Augenblick der Dunkelheit blinzelt man in den Tag und begibt sich auf die Suche nach den Freunden, die eben noch da waren –aber jetzt versteckt sind. Sekunden wechseln vom Licht zum Schatten und umgekehrt.

 

Geruchsreise. Ich folge dem olfaktorischen Reiseführer ins Reich der Gerüche. Spuren aus Molekülen, die mich Dank ihrer Intensität sogar in die kleinsten Winkel einer Stadt locken, weil es da nach etwas duftet, was ich noch nicht kenne. . Oder weil da etwas Fremdes in meine Nase steigt, was mir Signal ist, dort ja gerade dort nachzuschauen. Nicht alles auf einer Geruchsreise hat Stationen, die ich ein zweites mal frequentieren würde, aber die Erinnerung speichert sich ab – gibt mir ein Zeichen. Man muss nicht alles versprühen , um seine Duftmarke zu setzen.
Gastreisen. Anzeigendeutsch und belustigend klingend nach 5-Gänge-Menü und Nachtisch aus der Dose. Fremde Betten, die knarren und Matratzen, die durchgelegen sind. Obwohl ich es weiss, das diese Nächte in fremden Betten Schlaflosigkeit und entsetzliche Rückenschmerzen nach sich ziehen, liebe ich es , dem Flüstern und Knarren des Gebälkes eines Fremdenzimmers zu lauschen, vielleicht unter dem Bett einen liegengebliebenen Zettel zu finden, wenn ich das zerwühlte Kopfkissen am Morgen vom Boden aufklaube. Gast sein – das klingt nach Gastfreundschaft. Ein schönes Wort- zwei Worte , die sich nicht ausschliessen- Freundschaft und Gast- aus dem fremden Gast wird ein Freund….
Was schreibe ich nur ständig auf , und was will ich damit sagen? Die eigene Reise, die Augenblick an Augenblick fügt und wie ein Film einen Abspann verlangt, eine Liste von Protagonisten, von Statisten und Beleuchtern, diese Reise ist nicht zu Ende.

 

Ich breche aus. Ich breche aus dem konventionellen Leben aus und gehe mit meiner Phantasie auf Reisen. Manche Reisen, die jetzt noch folgen sind schlussendlich die Quintessenz aus all den Widersprüchlichkeiten des Lebens, die allerdings in die richtige Reihenfolge gebracht, ihrer Widersprüchlichkeit trotzen.
Im neuen Jahr sitze ich schon wieder auf gepackten Koffern- mit einem Koffer reise ich wie auf dem fliegenden Teppich nach Istanbul und gehe all den Dingen nach, die mich in meinem Leben aufgespürt haben und sich als Sehnsucht in mir abgesetzt haben.
So viel Ungesagtes wartet dort auf mich. Ungesagtes, was ich von hier mit dorthin nehme als Worte, Träume und Wünsche, die auf allen Wortreisen noch keine Haltestation fanden…Dort findet jedes Wort seine Bestimmung…
Die Reise zu sich selbst, mein eigener Gast zu sein in einem fernen Land …diese Reise folgt einer Einladung, die ich mir selbst vor Jahren gab. Ich werde in der Dämmerung durch die Stadt streifen um im richtigen Moment die Augen zu öffnen, genau dann, wenn das Licht dem Versteckspiel ein Ende bereitet. Wenn die Sonne aufgeht und das Tosen einer Stadt mir den Atem nehmen wird vor Erstaunen.
Das, was die Stadt mir geben kann , wird festgehalten in den Momenten der Augenblicke.
Die Stadt dort draussen wird ihre Stadtgrenzen erweitern, sie wird sie ausbreiten in mir und mich durchdringen und die Wellen des Bosporus werden emotionale Überschwemmungen in mir anrichten. Das wird anfangs ein fremdes Gefühl sein, das, um in mir heimisch werden zu können, vorerst mit dem Gästezimmer meiner Sehnsüchte vorlieb nehmen muss.
Ich errichte als Mitbringsel mit den Hinterlassenschaften menschlicher Träume ein Labyrinth, welches mit Photos und Licht-und Schattenspielen, mit Gerüchen und mit Geräuschen hier in meiner Berliner Welt die unlösbaren Rätsel des eigenen Lebens für Momente Fremden zugänglich macht . Fremden, die Gast sein können . Gäste, die bleiben können .Als Freunde.

 

September 1, 2007

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ich werde für dich unauffindbar sein
so wie das land , was einst im meer versank
und reife felder mit sich riss

 

kornähren, in denen die erinnerung
des lebens gespeichert
jenen tontopf zieren, der im haus

 

des sonntäglichen bestaunens sich herzeigt
als relikt der zeitlosen schönheit
mit dem dunklen klang

 

hörende spüren ihm nach, diesem ton
der geschichten erzählt
von den wanderungen durch das meer

 

welches durchschnitten von stolzen schiffen
diesen verletzungen nachgab
und laut grollte und alles verschlang

 

noch immer hören wir ein fernes leuten
und die schiffe graben im grund
nach der ausgelöschten zeit und einem

 

zersplitterten krug, um dieses gefäss
mit der trauer zu füllen für all die namenlosen
schönen, die ihre liebe verloren

 

in einer einzigen stunde …und mit ihr untergingen.
das sollst du wissen, wenn du auf die suche gehst
ich bin das land , das einst im meer versank

 

 

 

.

August 28, 2007

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heute-sonntag-2-sept-2007.jpg

 

im leben sind wir wie vagabunden unser leben selbst ist ein thespiskarren, der uns immer in bewegung hält und uns dorthin und dahin ziehen lässt. immer in bewegung … an manchen orten ist es schwer zu leben und an manchen orten lebe ich leichtfüssig , ja fast schwerelos lässt mich die liebe oder freundschaft schweben.

 

Und manchmal , in momenten des alleinseins auf der bühne meines lebenstheaters, wenn ich die monologe im text der hauptrolle überdenke und an mir arbeite, stelle ich sicher fest, das manches kompliziert und schwierig scheint. Aber solange ich diese dinge selbst an mir erkenne und sie als chancen reflektiere , sie als „hineinsehen“ in mich wahrnehme, ist das eine positive entwicklung und kann dies als wegroute in mein bisheriges leben einbauen . und so ängstigt mich nicht mehr, wenn mir mal jemand sagt, das ich kompliziert sei … weil ich erkennen kann, das ich mich im nachdenken über dinge „in bewegung“ halte auf der bühne des lebens.
bin ich schwierig? Na ja , einfach bin ich sicher nicht. Aber wer ist das schon…. manche stücke sind eben nicht für mich geschrieben, und ich kann die rolle nicht annehmen. aber man kann nicht immer die diva sein.

 

ich habe im laufe der jahre festgestellt, das es sehr oft die hausmädchen sind, die dem theaterstück eigentlich das tragende geben. und es kommt schon ab und zu mal vor, das ich mich nach der rolle des hausmädchens sehne… unkompliziert sein ….ist man das? unkompliziert? will man das sein?

August 27, 2007

philosophische fragmente

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ich liebe es , der Musik zu lauschen- doch mein Instrument ist eben der Bleistift…ab und zu Tusche oder Farbe…
Einerseits schätze ich das Minimalistische auch in der Sprache eines Gedichtes , eines Haiku zum Beispiel, wo in wenigen Silben mitunter die ganze Welt um Dich herum erstehen kann. Es ist doch sehr interessant, wenn man gerade ein Haiku beleuchtet; wir übersetzen es einfach nur als “ Silbengedicht“ aber in der japanischen Schriftsprache wird Hai als das Wort „Schauspieler“ übersetzt zu finden sein, und auch das ist nur eine grobe Übersetzung, denn Hai hat seinen Ursprung in zwei Silbenbegriffen: Mensch und dem Begriff des Streunens, des ziellosen, freien Umherziehens, oder bildhafter ausgedrückt, des vielleicht Heimatsuchenden, Nichtseßhaften im positiven Sinne . Und schon jetzt kann man erkennen, das uns das Wort “ Silbengedicht“ auf eine falsche Fährte lockt, uns irritiert und den Zugang zum Haiku erschwert. Haiku ist also der „suchende Vers“ , der mit uns kokettiert wie ein Schauspieler auf der Bühne es tut, er spielt mit uns und spricht uns an. Denn das Haiku ist ein Gedankenfragment , ursprünglich als Einleitung für Waka-gedichte gedacht…
Das Haiku sucht also noch, ist unterwegs, ein Gedicht zu werden und bleibt dann in seinen Anfangssilben stehen. Und der Mensch, der in diese Sprache hineinlauschen kann, wird die Heimat für diesen suchenden Vers- und das ist das Anliegen des Haiku.
Wir werden dadurch selbst zu Dichtern, die mit Phantasie und Sensibilität den Vers weiterführen, wir beleben ihn und wir tun dies wortlos.
So möchte ich gern umgehen mit Fragmenten, mit Skizzen in den Schubladen; sie als Herausforderung zu einem Abenteuer , als Wahrnehmung zu verstehen , und als Bruchteil einer unendlichen Tiefe , als Reisebeschreibung , als schüchterne Begegnung, als einen Hauch von etwas Großem – und in der scheinbaren Belanglosigkeit einer dahinfliegenden Leichtigkeit erlangen diese Worte eine Räumlichkeit , werden zur Bühne unseres Lebens. Und das Interessante ist die Entdeckung, das der Raum zwischen den Worten erkennen lässt, wieviel Ausschmückung das Weglassen bedeuten kann- wenn sich Silben und Buchstaben auflösen, bis in uns nur noch die Stille bleibt und eben auch jene Spannung, die alles offen lässt.
So ist es auch in der Musik … Orchesterwerke können mitunter wahre Gefühlsstürme in mir auslösen, aber das einzelne Instrument , insbesondere Cello , Geige oder auch die Ud kosten mich manchmal meine Nachtruhe, weil derart aufgewühlt etwas in mir passiert, was eine andere Sprache erfordert , als die mir angeeignete. Das kann mitunter auch nur ein Musikfragment sein, oder auch nur ein Stück- aber es öffnet sich dadurch eine Tür, in die ich hineinspazieren kann und da mache ich die wundersame Entdeckung der Wörter.

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„ …jetzt geht es ans Eingemachte“….wie oft hatte ich diesen Spruch von den Erwachsenen in meiner Kindheit gehört, und konnte ihn in keine Beziehung setzen zu dem, was sich meinen Blicken bot. Vergebens suche ich mit den Augen die Umgebung ab, um die blanken Gläser mit dem geriffelten Aufsatz zu entdecken, in denen Kirschen, Bohnen, Gurken, Dill, Tomaten, Paprika dicht an dicht lagen ( oder in mageren Erntejahren mehr in ihrem Sud schwammen als das man sie durch das Glas hindurch sehen konnte… Von meiner Großmutter für die besonderen Tage an der Familientafel bevorratet, hatten diese Köstlichkeiten einen festen Platz in meinem kindlichen Kopf, mehr noch in dem immer hungrigen Magen . Wenn ich heute daran denke , wieviel ich damals essen konnte und während ich immer noch Nachschub forderte , meine Mutter mich tadelnd ansah, und leise zischelnd mir über den Tisch einen ihrer geflügelten Sprüche hinwarf: „Kind, iß mit Verstand ! „
Meine Großmutter hatte da naturgemäß wie Großmütter sind , meiner Mutter ( ihrer Tochter) in ihre Erziehungsmethoden hineingeredet : „ laß sie doch, sie wird schon von selbst merken , wenn es ihr zuviel wird “.
Ging es uns nicht allen so? Als Kind konnte man essen, essen, essen… alles durcheinander, von allem zuviel, jederzeit ; unbegreiflich für mich rückblickend .
Es ist schon eine denkwürdige Erinnerung an diese Zeit ; gerade jetzt.
Nach einem neuen Zuhause suchend hatte ich endlich eine Wohnung gefunden, die meinem Sammelsurium von Büchern, Bildern, Werkzeugen und Krimskrams Räumlichkeiten bot. Kisten, Kartons, Taschen, Koffer… alle Behältnisse vollgestopft , mehr oder weniger sorgfältig verstaut … das in die Küche, das ins Gästezimmer, das in die Regale, das in diesen Schrank- und das vorerst in die Werkstatt ( da habe ich im Moment am allerwenigsten zu tun, und es steht nicht im Weg…)
Langsam hatte ich mich eingerichtet, begann diese Räume zu bewohnen, hätte längst schon wieder die Werkbank aufstellen können oder restliche Kartons öffnen und einordnen können… Da war etwas was mich hinderte, die schweren Kisten mit Papieren , Bildern , Fotos und Briefen zu sichten und zu ordnen, um ihnen wie in der alten Wohnung einen Platz zu geben ( der wenn ich jetzt ehrlich zugeben muß, die staubigste Ecke unter den Bücherregalen war ) . Also warum sollte ich diese Sachen auspacken!
Dort zwischen leeren und vollen Marmeladengläsern im Werkstattregal sind sie gut aufgehoben… Himmel, würden altmodische Hausfrauen aufschreien, welch ein chaotische Unordnung. Marmeladengläser!!! Papier und Eingemachtes…nebeneinander! Doch hatte ich mir nicht ganz unbewusst eine kleine begehbare Brücke gebaut mit diesem scheinbaren Chaos?
„ Ich hole schnell mal Marmelade !“ ….ans Regal, Vorhang auf, ein Griff- ach nein, schon wieder segelte mir ein loses Blatt aus dem oberen Fach entgegen; keine Zeit herauszufinden, zu welchem Karton es zugehörig ist- irgendwo zurückgestopft, zurück zur Küche, Marmeladenglas öffnen , oh dieser Duft von Kirschen und Rosenwasser !
Wo ist der Löffel, schnell! Fast kindliche Gier… einen und noch einen und noch einen…

 

Und noch während mir die Süße des Zuckers und die Säure der Kirschen einen unvergleichlichen Hochgenuß verschafften, ging ich zum Regal in die Werkstatt zurück.
Eingemachtes !
Ja , das ist es, was ich als Kind vergeblich suchte, wenn Erwachsene ihre gewichtigen Mienen aufsetzten und manchmal hinter vorgehaltener Hand flüsterten, oder auch mit einem wissenden , bedeutungsvollen , oder neugierigen Blick einander zu bestätigen suchten, das es „ JETZT ans Eingemachte ginge…“
Und JETZT ? Was ist JETZT?
Jetzt sitze ich auf einer kleinen alten Holzleiter in der Werkstatt und halte einen Teil meines Lebens in den Händen.
Mein Eingemachtes waren meine fliegenden Blätter, Notizen, Schmierpapier, Zettel mit dahingeworfenen Worten oder die Briefe, die ich erhalten, gelesen, bebündelt und fast vergessen hatte ; mein Eingemachtes sind kleine Gedichte, Fragmente, Manuskripte, Postkarten, Empfangsbestätigungen von Paketen, adressiert an eine Wohnung, die schon lange von anderen Menschen bewohnt wird. Großmutters Rezept für „schnelle Gurken“ … Eine Zeichnung dazwischen, eine Adresse auf einen Bierdeckel gekritzelt , ein Poesiealbum mit Sprüchen von Schulfreunden, die Kopie meiner Geburtsurkunde , ein blau-weißes Band, welches einst verhindern sollte, das alles wild durcheinander gerät…
Danke, allerliebste Omi, danke, Ihr Menschen aus meiner Kindheit..
Ich verspreche Euch , eine weniger bedeutungsvolle Miene aufzusetzen , um an dieses spezielle Eingemachte zu gehen.
Leider weiß ich bis heute noch nicht, wer von den beiden recht hatte:
„…laß das Kind doch essen, sie wird es schon merken, wenn es zuviel ist“ oder „ Kind , iß mit Verstand…“ Ich bin beiden Sprüchen je nach Gefühl und Lebenslage zugeneigt, manchmal wünschte ich mir, das meine Mutter das letzte Wort gehabt hätte, aber dann sind da Zeiten und Momente in meinem Leben, da muß ich einfach mehr als Verstand haben…

 


ZEITges(ch)ehen

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Berlins Strassen wecken meine Neugier. Strassen, die gezeichnet sind von Fußabdrücken, Rissen und Narben der Vergangenheit. Und nirgendwo als auf Trödelmärkten in diesen Strassen ist Vergangenheit so gegenwärtig. Wie durch einen Türspalt versuchen meine Augen von  dieser Vergangenheit etwas zu erhaschen. Trödelmarkt. Hier türmen sich Dinge, gestrandet an der Endstation ihres Gebrauchtseins zu kunstvollen Gebilden auf wackligen  Tischen; die gegenwärtige Vergangenheit aufgeschichtet zu einem Fundament von Zeitlosigkeit. Wenn meine Blicke jene alten Gegenstände streifen, die mit ihren Geheimnissen so einfach die Erinnerungen die sie in dieses Heute hinüber gerettet haben, lebendig werden lassen , dann kann es geschehen, dass meine Gedanken entlang an den Grenzen der Zeit zurückwandern…. “ Was ist denn das hier?“  Zwei Teenager  erfragen sich die Dinge und staunen über alles, was es auch noch vor geraumer Zeit im Hause ihrer Eltern gab. Weggeworfen; Dinge, die man früher von Generation zu Generation weitergereicht hatte und die in dieser High-Tech-Zeit und dem schnell vergänglichen Alltag keine Brauchbarkeit mehr finden .

Ohne die Antwort des Händlers abzuwarten schlendern sie davon. Ob sie wohl ahnen, wie sehr sie  Fremde im eigenen Haus sind und dass ihre Frage , während sie Davoneilen selbst schon ein Bruchstück ist; ein Rest von allem, was ihre eigene Zukunft ausmachen wird, irgendwann? Hier und Heute braucht man Zeit. Ich möchte Gast an diesem Heute sein , Gast im Leben einer  alten Frau, die Kleider, Gürtel und Hüte feilbietet. Die Frau selbst scheint wie ein altes Kleidungsstück zu sein, wie ein guter alter  Tuchmantel mit einem Seidenfutter. Solide. Jedes Kleidungsstück ist eine Episode, ein Schicksal. Nur wenig kann ich von der Vergangenheit der Frau erhaschen . Ich erahne nur, dass sie mit dem Plaudern die eigenen Erinnerungen in sich abfragt, und das die Dinge, die sie hier verkauft, etwas mit ihrem Lebensinneren zu tun haben. Ihr munteres Schwatzen erleichtert ihr  möglicherweise das Weggeben und Verkaufen .  Erinnerungen solcher Menschen  sind die eigentlichen Gravuren in unserer Zeit;  sie sind verwoben mit den Substanzen aus Idealem und Existenziellem und sie öffnen mir Türen zu einer anderen Welt. Für Sekunden. Ob wohl Erinnerungen fremder Menschen anders sind? Nein, nur ihre Lebensläufe sind anders.

Im Verborgenen entfaltet sind diese Lebensläufe Raumabstraktionen, sind für mich Zeitreisen, sind Teilhaben am Leben. In diesen Zeitsprüngen  kann ich den einzigartigen Flair des Gestern und Vorgestern erspüren. Trödel hat nichts Morbides und Zerfallendes oder  an sich;
nein, es trägt dieses Lebendige der Zeitlosigkeit mit sich, die wir als Kinder
an unseren Großeltern entdeckten; denn Großeltern altern nie in unseren Augen. Wir kennen sie so , wie sie geworden sind mit der Zeit: gereift, erfahren, wissend und wahrhaftig. Hier auf einem Trödelmarkt scheint diese Wahrhaftigkeit  jedes Ding zum Leben zu erwecken . Hier ist es möglich , dass die Erinnerungen die Sekunden  zu einer Lebenszeitspanne dehnen, und die Vergangenheit für mich „bewohnbar“ machen. Ein Flohmarkt schreibt seine eigene Geschichte. Er hat keine Kalenderbögen , die über Wochen hinaus die Zukunft sicherstellen wollen. Alles hier ist spontan.  So wie das Leben.

So wie meine Neugier, die mich am Vergangenen teilhaben lässt. Märkte wie dieser ,unter freiem Himmel haben nichts von ihrem Reiz verloren, haben nichts verloren von der Ursprünglichkeit aus ihrer eigenen Kraft zu leben . Märkte gleichen einem Kaleidoskop, welches die Bilder von Sekunde zu Sekunde verwandelt und doch stets ein Gleiches bleibt. So wie die Zeit …

DIE natur der DINGE

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Wie bei so vielen Gelegenheiten ist mir aufgefallen, das gerade die Menschen die in der Öffentlichkeit sind , also nach außen hin klar und transparent erscheinen , stets ein kleines (dunkles Geheimnis) in sich tragen. Vielleicht sind es gerade die künstlerischen Menschen , deren Produktivität gerade darauf basiert , das ihre Werke wie kleine Zufluchtsstätten sind. Sie versuchen , die Öffentlichkeit von ihren Geheimnissen fernzuhalten… So dient vielleicht jedes Gedicht, jeder Roman und jedes Bild oder Lied dazu, die Mitmenschen „ auf eine falsche Fährte“ zu locken. Das dunkle und um jeden Preis gehütete Geheimnis wird damit ungewollt und subtil zum Fundament ihres Lebens. Auf dem Geheimnis ( oder besser auf dem Bedürfnis, das Geheimnis zu hüten ) wird ein ganzes Leben aufgebaut ; werden Romane erfunden und Werke kreiert, die uns als Mitmenschen so tief und so klar und vor allem so WAHR erscheinen, das wir sogar bereit sind , diese Ausdrucksmöglichkeit, wie z.B. das Schreiben als das wirkliche Wiedergeben tatsächlicher Begebenheiten akzeptieren , obwohl wir tief im Inneren wissen müssten, das die Fantasie und der Fabuliergeist die eigentlichen , persönlichen Begebenheiten erklärt und „übermalt“. Die Publizität dieser Personen ist so offensichtlich; jeder scheint den Menschen zu kennen, KENNEN- damit meinen einige auch nur das Wissen um diese Person, oder auch nur den Namen schon einmal gehört zu haben. So öffentlich, das normale bürgerliche Existenzen diese „Lebenskünstler“ als so transparent sehen, das der „dunkle“ Rahmen wirklich erst ganz zum Schluß wahrgenommen wird. So erklärt es sich ganz von selbst, warum Schriftstelle, Maler , Musiker etc. erst viele Jahre nach ihrem Ableben tatsächlich durch ihre Persönlichkeit als ganzer Mensch wahrgenommen werden, und nicht nur durch ihre künstlerischen Leistungen beurteilt werden. Sie werden durch das Aufarbeiten in Biographien nicht etwa ihrer Identität beraubt, sondern vielmehr ihres dunklen Geheimnisses.
Im alltäglichen Leben begegnen wir Menschen, denen wir auf den ersten Blick nicht ansehen können, das sie zu den Menschen gehören, die diese „künstlerische Existenz „ leben. Die künstlerische Existenz ist nicht immer nur so zu verstehen, das diese Menschen Künstler im weitesten Sinne sind, sondern auch „ künstliche“ Menschen ( so bezeichne ich z.B. auch Politiker etc) . Ich entdecke, wie sehr sich diese Menschen ihre Verstecke suchen, die kleinen Nischen und Ecken, in denen sie dieses dunkle Geheimnis ihres Lebens ausleben können. Denke man nur an Garcia Lorca oder Anais Nin , die verborgenen Geheimnisse ihres Lebens, oder an die von Dali, Cocteau…
Wie vertraut sind uns die Namen, wir würden ohne zu zögern sagen, das wir diese Menschen „kennen“ und wir wissen absolut NICHTS über sie. Erst das Öffnen der „Schatztruhe“ , ich meine auch die Beziehungen der Menschen untereinander und zueinander machen deutlich, wie groß und wie tief die Seelen und Persönlichkeiten dieser Menschen waren. Und ich würde behaupten, das es die „dunklen“ Geheimnisse waren und sind, die das Licht in dieses Leben getragen haben. Der Ambivalenz , der wir ausgesetzt sind , die Widersprüchlichkeiten zwischen diesem Leben und dem anderen Leben heben das WIRKLICHE LEBEN doch erst hervor.
Würden wir denn einen Menschen bemerken, der ganz und gar in seinem Schatten verschwindet, der also sein Licht nicht erstrahlen lässt.? Mit Sicherheit nicht auf den ersten Blick.
Aber wenn schon die kleinste Unregelmäßigkeit in seinem Leben, also ein Schatten auf den Schatten seines Lebens geworfen würde , dann würden wir vielleicht schon ahnen, das sich da ein Geheimnis auftut- denn – den ganz klaren, durchsichtigen ,transparenten und überaus makellosen Menschen gibt es nicht- dieser ist nur eine Illusion , eine illusionäre Erscheinung in der Welt der Kunst. Dieser Mensch ohne Geheimnis wäre nur eine Imagination aus unserem Geist, er wäre zu komplex und zu perfekt.
So erklärt es sich auch fast von selbst, das wir manchmal von dunklen und geheimnisvollen , ja sogar oft unnahbaren Menschen nahezu angezogen werden. Wir treiben auf das offene Feuer hinzu , oder betreten dunkle Gemäuer , wissend , das wir verbrennen werden oder uns dort anfangs fürchten – und wir tun es doch…


August 26, 2007

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Verschwiegen liegt der Tag
über dem Dach… noch dreht
der Wind sich , und kommt
aus Ost.
Klopft an die Scheiben und lockt mich
ins Freie und ich rieche
wieder den Winter über der Stadt

 

Leise murmelt unter der Brücke
dieser Fluss, der alles weiß, und
der die Geschichten mitnahm
vom Sommer.
Jetzt klingen meine Schritte
wieder und schreiben mit jedem
Schritt ein Wort in den Weg.

 

Klaglos schiebt ein alter Mann
sein Rad neben sich und spricht
zu sich selbst mit fremder
schöner Sprache.
Längst vergessene Musik, diese
Worte aus der Ferne, die
ihn wärmen und auch mich.

 

Ganz weit weg sind seine Blicke…
Und doch, im tiefen Schwarz
der Nacht liegt ein Schimmern
von Sehnsucht
und er klagt und beklagt etwas
mit ganz leisen Worten, das
wie ein Lied aus einer Sage

 

hier in der Einsamkeit am Uferrand
keine Zuhörer findet. Nur seine
Schuhe antworten ihm mit Rascheln
und Stöhnen.
Denn auch sie sind alt, so wie er laufen
sie schon Jahre über das Pflaster um
sich eine Bleibe zu suchen für‘s Leben.

 

Längst entschwunden ist er, doch wie
ganz von nah höre ich das Murmeln und
Atmen und ein Klirren einer Flasche
roten Weines.
Eingehüllt in seinem Mantel sitzt er
an der kalten Böschung der Flusses
und träumt vom Sommer , der ihm

 

hier unter der Brücke besseres Obdach
böte, wenn die Sonne schön schiene und
der Rasen ihm weich ein Kissen sein könnte.
Denn er
ist ein Mensch ohne Dach , ohne Haus.
Nur sein Fahrrad ist geblieben nach einem
langen Weg durch das Leben .

 

Verschwiegen ist der Tag noch immer
Der Wind dreht sich und kommt noch immer
von Ost ins Land und schweigend sind
der Mann
und ich die einzigen Gäste
an diesem Fluss ,der meinen Sommer
und seinen Winter hinweg trägt

 

 

 

wortDURCHGANGszimmer

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Wortdurchgangszimmer. Ja , wortwörtlich sind die Worte hindurchgehuscht. So schnell, das von ihnen nur noch ein Schweif übrigblieb, ein helle Spur, die wie in einem Nachthimmel die Kondensstreifen der Flugzeuge ins Dunkelblau abzeichnen… Langsam verblassen die Spuren ganz da oben, sie lösen sich auf, zerfransen und verlaufen und werden ein Teil von den Wolken, die man nie berühren kann.
Die Worte, die Phrasen, die ganzen Sätze oder die dahingeworfenen Abkürzungen, Links oder Smileys zerfransen ebenso in meinem Gedächtnis , denn sie laufen so schnell durchs Bild, sie sind so schnell widerrufbar und so schnell nicht mehr wahr- wie können sich da die Worte in mir verfangen, wie heimisch werden? Ich gebe zu, das mich manche Themen des Lebens irritieren, das sind so Situationen, die getrost an mir vorüber gehen könnten …denn obwohl in wunderschöne Worte gefasst, können sie in ihrem Inhalt an mir wie die Flugzeuge vorbeifliegen, mit einem lauten Motorengebrumm, mit viel Staub, der von den Düsen aufgewirbelt wird und für einen Moment ganz sichtbar ist- aber zum anderen mir der Staub auch die Sicht vernebelt…Was kann ich da wohl am besten tun?
Prustend mir den Staub aus dem Gesicht wischen, mit den Händen um ich herumwirbeln, um die Nebelschwaden aus Staub besser zu verteilen?
Es ist gleichgültig, was ich mache, es ist egal, wie sehr ich mit den Händen durch die staubgeschwängerte Luft fahre – sie sind trotzdem da, diese Themen, diese Probleme, diese Flüchtigkeit von schnell Dahingesagten, was aber sich Wurzeln sucht, Luftwurzeln vielleicht , die sich festkrallen in mir und sei es nur für einen Moment…

 

Ich lese und schaue und sehe und höre , wie sich das Wort , das geschriebene, das gesprochene , so sehr verfremden lässt hinter Phrasen und Polemik, sogar hinter den Wiederholungen, das man hilflos und mit staunendem Blick sich selbst fragen muss: ist Schweigen tatsächlich Gold?

 

Da ich eher ein Mensch der Sprache bin, ein Mensch des Wortes , welches mir „versilbert“ ( Reden ist Silber) recht angenehm erscheint, ist es mir wichtig, das die Worte ein schönes Zuhause finden. Aber wo können solche Worte ein Zuhause finden, mit denen ich mich nicht behaglich fühle, die mich manchmal unvorbereitet treffen, das es mir vor Staunen den Mund offen stehen lässt…
Ich mag diese Worte nicht an mir, ich mag sie nicht mit mir in Verbindung gebracht wissen, und ich suche mir eine kleine Ecke im Zimmer meines Gedächtnisses, in der Hoffnung, das sie dort in Vergessenheit geraten.
Leider , leider ist das ein Trugschluss. Da fällt mir doch eine Diskussion mit einem Freund über die „Schubladen“ ein. Auch dort wurde verstaut und weggepackt.
Der Trugschluss ist der, das zwar im Moment alles aus den Augen und demzufolge aus dem Sinn ist- aber es ist eben ein Trugschluss. Bei der nächsten Gelegenheit guckt da so ein Zipfelchen ROT aus der Schublade und ich werde sie garantiert aufziehen ( menschliche Neugier) – und schon habe ich den Schlamassel… Alles ist wieder da! Ich sehe ROT und zwar überall!

 

Na ja, was will sie denn schon wieder sagen, diese Frau , das fragen sich sicher einige …
Rot ist doch eine wundervolle Farbe, denk mal an die Weihnachtszeit!
Jeder von uns hat Engelchen und Weihnachtsmänner, rot-grüne Gestecke und rote Bänder, Schleifen und Glaskugeln, rote Schlitten und rote, fellverbrämte Nikolausmäntel samt Nikolaus und Weihnachtselfen oder kleine, durch Bild flitzende Überraschungen herzuzeigen.

 

Esoterische Farbtheorien und psychologisch angehauchte Belehrungen über die wunderbare Kühle von Blau und die irritierende Wirkung von Lila werden von einigen Zwischenrufern hervorgekramt…..NEIN! Auf keinen Fall Rot bitte…! Fast jeder meint die verheerende und subtile aufregende Wirkung von Rot auf das Gemüt zu kennen…

 

So mancher tanzt auf einem glühendroten Lavastrom aus Worten…
Auch Worte färben unser Leben. Auch die Asche, die übrigbleibt, hat eine Farbe.
So weit zum Rot. So weit zu den glühenden Wortdebatten .

 

Oh ja ! Miteinander sprechen- ein rotes Kerzenlicht wird angezündet. Die Dämmerung verleitet uns zum Flüstern. Die Worte werden leise und besinnlich. Im flackernden Kerzenschein wird fast jeder zum Poet , das weiß man ja…
Wir wissen auch , daß man schöne Worte für besondere Situationen fast auf der Strasse finden kann , wenn man die Augen und Ohren öffnet..und man sie bewahren und hüten kann und nur zu einem besonderen Anlass oder zu einer besonderen Person sagen wird.
Sie sind kleine Schätze, diese besonderen Worte, die golden-silber-rot verpackt einem geliebten Menschen überreicht werden , und erst dann wird einem Vieles ganz bewusst , was bis dahin geheimnisvoll versteckt und gehütet wurde.

 

So, wie der Kondensstreifen eines Flugzeuges am Himmel zum Schweif des Sternes von Betlehem wird , oder der Staub des Jahres, der sich auf dieses oder jenes Wort gelegt hat, flittert und glänzt plötzlich wie Goldstaub auf einer Weihnachtstanne…so verwandeln sich zuweilen die versteckten Wortgeheimnisse zu dahingehauchten Liebeserklärungen.
Ich schliesse ab und zu die Tür zu meinem Wortdurchgangszimmer und das Schlüsselloch habe ich dann gut verklebt. Niemand kann durchs Schlüsselloch schauen, um herauszufinden , was sich dahinter verbirgt.
Wenn ich jetzt die Tür öffnen würde, dann würden die Worte aufwirbeln wie Staub. Diese Worte würden sich eben genau diese erwähnten Luftwurzeln suchen, und für flüchtige Momente den Anschein eines Haltes vorgaukeln.
Ich denke, ab und zu ist es gut, wenn die Türen mal verschlossen bleiben; wenn dahinter in aller Ruhe etwas anders als Staub „aufgewirbelt“ wird.

August 25, 2007

der GEDANKEN-dieb

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Fahrstühle , hinauf, hinab. Vom Licht zum Dunkel.
Lichtsequenzen, hervorblitzend zwischen den Spalten, die Stockwerke und Stufen voneinander lösen , trennen und verbinden.
Wie Seile an einer großen Bühnenvorrichtung, Marionetten gleich werden die Kabinen hochgezogen und in die Tiefe geleitet. Lange unsichtbare Hände jonglieren Personen und Lasten. Wir reisen vom Erdgeschoß hinauf ins 30. Stockwerk und überwinden Zeit und Raum schneller als die zu Fuß gehenden Menschen.

Ich träume . Ich hänge den Gedanken nach , während sich der Fahrstuhl leise hebt. Schaukele mich in meine Imagination . Diese kurze Reise nach oben ; eine Zeitreise in und durch die Gedanken… Im Traum sind diese Fahrten wie Zeitreisen , wie Lichtpunkte in die Finsternis der Zukunft.
Ich scheine Tage vorauszueilen, nicht nur Stockwerke, Stunden oder Räume; es sind ganze Sprünge durch die Zeit, die die große unsichtbare Hand an den Förderseilen mir erlaubt.
Dunkle Tunnel, matt erleuchtete Schächte mit schwarzen Abgründen , die mir die Möglichkeit schaffen mich hinauf –und hinab in die Tiefen der Menschengedanken vorzudringen. Wie ein Seelenreiter gleite ich in die dunklen Schächte von Menschenerinnerungen hinein. Wie im Traum durchwandere ich die Landschaften der Gegenwart, abseits von Gut oder Böse öffnet mir jeder seine Gedanken.
Keine Zeit, keine Zeit…der Fahrstuhl gleitet weiter hinauf und hinab . Wo war ich gerade gewesen?
Wessen Traum, wessen Gedanken? Wie kann ich die Träume und Erinnerungen von morgen festhalten? Einsperren, wegschließen? Wo ? In Zimmer. Die Türen schließen…so können nicht entfleuchen…nur ich allein kann jede Tür aufstoßen und hineinschauen. Die Erinnerungen anderer Menschen- meine Gefangenen ! Säuberlich sortiert in den Räumen ohne Licht, ohne Lampen, ohne Sonne – sie sollen unberührt bleiben, unangetastet, sauber.
Und immer wieder ist der letzte Raum am Ende des Tunnels , der am verborgensten liegt. Er ist das Mysterium!
So lange schon sind die Gedanken dort verschlossen, das ich vergessen hatte, was dort hinter der Tür auf mich warten könnte.
Jeder Traum über Räume, Räumlichkeiten , Welt und Zeitlosigkeit endet vor dieser Tür. Nur einen Spalt möchte ich die Tür öffnen, nur einen Blick hineinwerfen, doch ich erhasche einen Anblick eines Zimmers mit weißen Wänden. Ist das der Ort meiner zukünftigen Erinnerungen? Die Neugierde treibt mich manche Nacht in dieses Zimmer. Immer denke ich , ob dies heute Nacht der letzte Blick sein sollte…
Geheimnisse in einem Haus kann ich schwer ertragen, auch in meinem Traumhaus. Vielleicht ist mir dieses Traumhaus schon längst entfremdet?
Auf der Suche nach geeigneten Räumen denke ich: ein neues Versteck muß her für all die unausgesprochenen Gedanken, die einst Erinnerungen werden sollen. Ein neues Zimmer könnte es sein , geheimnisvoll und mysteriös. Mit Lichtschatten.
Schattenspiele im leerem Raum. Mit einem Fenster voller Spalten und Gucklöcher ; Astlöcher in hölzernen Fensterläden , zugige Möglichkeiten, wo Gedanken entfliehen könnten.

Was verbirgt sich dort in den letzten Räumen?

Hinauf und hinab in die Tiefen der Menschengedanken. Wie ein Seelenreiter gleite ich in diese Schächte in der Nacht, am frühen Morgen…. keine Zeit, keine Zeit …

Plötzlich verwandelt sich der Fahrstuhl in einen Paternoster; die Gondeln an einer endlosen Schlaufe aus Metall und Leder, knarrendes Gestänge…Was passiert mit mir , wenn ich einfach hier stehen bliebe? Den Absprung verpasse, meine Etage aus den Augen verliere?
Bewege ich mich dann zwischen den Welten mehr den je? Knarrend greifen die großen hölzernen Zahnräder ineinander und setzen den Paternoster in Bewegung, um ihn auf eine endlose Reise zu schicken. Immer wieder im Kreis , immer wieder im Rund . Immer wieder kehrt er zurück zu meiner Etage meiner Gedanken in der Nacht. Im Keller und im Dachgeschoß des Gedankenhauses bleibt der Paternoster für Sekunden in der Schwebe. Nichts rührt sich, nichts bewegt sich. Jetzt! Jetzt wird sich alles wenden und die Gondel wird kopfunter in die Tiefe oder die Höhe geleitet. Der Boden wird zur Decke und die Decke wird zum Boden.
Werden hier den Gedanken der Boden entzogen ? Oder werden hier die Gedanken auf den Boden geschmettert? Ich halte die Luft an . Ich warte. Im Warten liegt die Furcht, das ich in die Tiefe stürzen werde… Leise seufzt das alte Holz der Gondel . Mit Eisenbeschlägen, Leder und schweren Ketten ist sie mit der vorderen und hinteren Gondel verbunden. Bewegt sich die vordere Gondel, muss sie mit ihr mitgehen , muss sie sich festgekrallt durch Schrauben und Beschläge in die vorgegebene Richtung bewegen … sie ist im endlosen Kreislauf dieser raumzeitlichen „Hausholzbahn“ eingebunden. Ein zweiter Seufzer folgt und langsam setzt sich der Paternoster wieder in Bewegung. Natürlich fällt mir die decke nicht auf den Kopf oder mein besser, mein Kopf landet nicht kopfunter; Boden bleibt Boden und Decke bleibt Decke. Ich atme auf , denn ich befürchtete , das ich mit einem kopfunter meine sorgsam gesammelten Gedanken verlieren könnte. Das mir die Worte und Gedanken trotz des geschlossenen Kreislaufsystems des Paternosters verloren gingen, das sie einfach so aus meinen „Gedankenzimmern“ purzeln könnten und ich alles wieder neu und sorgsam zusammensetzen müsste, wenn ich auf meiner Etage ankommen werde und ich schnell den Absprung wagen würde … Ist das nicht verwunderlich, das ich diesen Sprung wagen kann aus einem Endloskreis heraus ? Rundherum und immer im Kreis dreht sich dieses technische Wunderwerk durch Stockwerke und Keller und Dachböden. Und nur ein Schritt auf eine Etage hinaus genügt, um diesen Kreis zu durchbrechen! Langsam sehe ich durch den Lichtspalt der schaukelndenden Gondel meine Etage . Langsam gleitet der Boden zu Boden, wie absurd das klingen mag, aber so ist es…. Einen Schritt nur und ich bin im Tageslicht eines Bürogebäudes.
Doch was sehe ich- da wartet jemand, um in die Gondel einzusteigen. Was für eine schöne Fügung! Ein Gesicht erscheint im Halbdunkel des hölzernen Kastens, blitzende Augen , ein warmes Lächeln. Gedanken in Sicht! Und wieder kann ich auf die Reise gehen durch die Gedanken von einem Menschen, durch Räume , durch die Zeit. Immer im Kreis , immer im Rund … Nur irgendwann darf ich den Absprung nicht verpassen. Ich sollte aufpassen, das ich nicht, während ich Gedanken einsammle in manchen Köpfen und Gedanken unfreiwillig zu Gast bleibe, das sie mir über kurz oder lang zum Gefängnis werden, und meine Gedanken unbeweglich und starr zu Wortskulpturen erstarren.
Ich sollte gut darauf achten , daß sich Fahrstühle, Paternoster, Zimmerfluchten und Korridore nicht miteinander verhaken und es keine Weiterbewegung mehr gäbe…ein Gedankendieb , festgesetzt in einer unter dem Stein einer Wortquelle? Das geht doch nicht, denn Denken und auch Träumen brauchen Bewegung

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