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WORTdurchgangsZIMMER

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Das Wortdurchgangszimmer ist der Versuch, privaten Raum öffentlich zu machen , mit vielfältigen künstlerischen Mitteln Räume zu schaffen, subtile Sprachräume, die in ihrer Vielschichtigkeit ebenso intensiv erfahrbar und berührbar gemacht werden können, wie alles, was unsere Sinne auch optisch erreicht.
Mein Wunsch ist es, das Menschen wieder neugierig werden, dem Klangpfad des Wortes zu folgen, um damit den fortschreitenden Verlust von Sprache bewusst machen. Sprache hat viele Gesichter; sei es Musik, das gesprochene Wort, Malerei oder Tanz, und jede von ihnen fließt zunehmend oft unbewusst in unseren Alttag ein. Menschen begegnen einander im Alltag und ob man miteinander spricht, gestikuliert, oder nur nebeneinander in der U-Bahn steht; all diese Kommunikationsebenen lassen unterschiedlichste Assoziationen zu.
Möglichkeiten, den Blick wieder mehr dem Ursprung der Sprache zuzuwenden oder auch der Poesie, gehen in der Hast des Alltags oft verloren. Meine Objekte und Installationen, sowie meine gesamte Wohnung waren für dieses Projekt 48 Stunden frei für jedermann zugänglich. Es hat sich glücklich gefügt, das ich in einer Berliner Altbauwohnung lebe, die wie so typisch für Berlin, Durchgangszimmer hat. Und nicht nur das: einen Durchgangsbalkon, und es ist eine Durchgangswohnung- und noch am Tag der Aktion stellten die Besucher fest: es ist sogar ein Durchgangshaus. Durchgang- das heißt, alles hat 2 Türen, man kann hindurch laufen und die Räume durch eine andere Tür wieder verlassen. Das hat natürlich auch meine Phantasie beflügelt. Denn ist es nicht so, das uns die Sprache trifft, das sie in uns verhaftet, dass sie auch durch uns hindurchgeht, wie durch einen Raum. Was uns wichtig ist, bleibt uns in Erinnerung, Worte dringen in uns ein, wir vergessen Worte nicht so einfach, die mit uns etwas zu tun haben.
Wir verinnerlichen Sprache, wir verändern uns durch Sprache, Sprache stimuliert zum Zuhören, Sprache heißt für mich sich selbst und andere verstehen lernen.
Besonders hat mich die bilinguale Situation in Berlin inspiriert und somit meinen Blick für die „fremde“ Sprache geschärft ... Im bewussten Umgang mit dieser Situation im Alltag und durch verschiedene Situationen im Umgang mit fremdsprachigen Menschen aktivierte sich eine Art innere Bildersprache, die mir eine Annäherung auch an meine Sprache wieder bewusster ermöglichte. So entstand die Idee, die Installationen zusammen mit meinen Gedichten zu präsentieren . Das „Wortdurchgangszimmer“ fand ganz bewusst im privaten Raum statt, denn das Spiel mit Versen, und natürlich die Spontaneität der Gäste, die jeweils in ihrer Muttersprache Gedichte und Lieder einbringen konnten, soll spielerisch Brücken bauen zum fremdsprachigen Nachbarn und die jeweilige Sprache als Erlebnis im offenen Raum erfahrbar machen. Verweilen im Moment... Verständnis durch Verstehen.
Im „installierten“ Raum , in dem auch gewohnt und gearbeitet wird , wo man gemeinsam plaudern kann, einen Tee oder Kaffee zusammen trinkt, wird die Scheu vor der Kommunikation genommen und regt zum eigenen Sprachwandel an.
Das Wortdurchgangszimmer barg einige Überraschungen für die Besucher: in allen Räumen wurde gelesen, ein Bücherberg, Bücher zum Mitnehmen, Buch-Installationen, Märchenstunde im Badezimmer, ein Feature mit den Gedichten von Orhan Veli…Wein zu nächtlicher Stunde auf dem Balkon…

Nachtrag: … 3 Monate später, morgens in der U-Bahn: „ hallo, wie geht es Ihnen, erinnern Sie sich? Wir haben uns bei Ihnen getroffen…“

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